Rückenschmerzen

Mein Weg mit einem Bandscheibenvorfall #4
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Mein Weg mit einem Bandscheibenvorfall #2
Mein Weg mit einem Bandscheibenvorfall #1


In den meisten Fällen handelt es sich bei Rückenschmerzen allgemein um akute Rückeschmerzen, welche auch ohne spezielle Behandlung wieder abklingen. Leider kommt es in etwa 10% der Fälle dazu, dass akute Rückenschmerzen chronisch werden. Spezifische Ursachen für Rückenschmerzen können unter anderem Wurzelkompressionen durch Wirbelbrüche oder degenerative Wirbelkörperveränderungen, spinale Stenosen, Entzündungen oder Tumore sein. Allerdings verursachen sie nur 10-15% der Rückenschmerzen, 85-90% der Rückenschmerzen hingegen haben keine spezifische Ursache. Dabei sind 70-80% aller Personen mindestens einmal im Leben von Rückenschmerzen betroffen.

Welche Indikatoren/Schmerzen weisen auf welche Fehlverhalten hin? (z.B. Nackenschmerzen sind auf eine falsche Sitzposition zurückzuführen, etc.)

Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen:

  • Bewegungsmangel : Rückenschmerzen in jedem Bereich der Wirbelsäule möglich
  • Falsches Sitzen : ist vor allem für Schmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule) und Nacken verantwortlich (mehr dazu hier)
  • Falsches Heben und Tragen: vor allem Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich (mehr dazu hier)
  • Einseitige Fehlbelastungen : Schmerzen in jedem Bereich der Wirbelsäule möglich
  • Übergewicht : Schmerzen in jedem Bereich der Wirbelsäule möglich
  • Muskel/Haltungsschwächen : Schmerzen in jedem Bereich der Wirbelsäule möglich
Ursachen für spezifische Rückenschmerzen:
  • Unfälle
  • Brüche
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Entzündungen
  • Bandscheibenvorfälle
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Tumore
  • Infektionen

Schmerzen im Nackenbereich können auch auf nächtliches Zähneknirschen zurückzuführen sein. Sollten also Risikofaktoren wie falsche Sitzposition, falsches Kissen beim Liegen, falsche Arbeitsposition (z.B. Bildschirm zu hoch oder zu niedrig am Schreibtisch (Link zu Artikel)) ausgeschlossen werden, ist eine zahnärztliche Untersuchung sicherlich eine Möglichkeit, um der Schmerzursache auf den Grund zu gehen.

Welche Bewegungen oder Verhalten sollten bei welchen Beschwerden vermieden werden?

Alle Bewegungen, die den Schmerz verstärken und die Beschwerden verschlechtern, sollten vermieden werden. Im Akutfall sind Sportarten, die die Wirbelsäule durch Stoßbewegungen einer erhöhten Belastung aussetzen, wie zum Beispiel Laufen, eher zu vermeiden. Allerdings sollte auch nicht einfach jegliche Bewegung vermieden werden, denn gelenkschonender Sport wie zum Beispiel Schwimmen oder Yoga können die Beschwerden erheblich verbessern.

Bestehen Schmerzen im unteren Rücken, sollte vor allem darauf geachtet werden, dass man schwere Dinge richtig aufhebt und trägt. Dazu die Last nie durch Beugen des Rückens aufheben, sondern immer durch in die Hocke gehen und mit geradem Rücken wieder aufrichten. So vermeidest du übermäßigen Druck auf die Bandscheiben.

Kommen die Schmerzen von verspannten Muskeln ist Wärme hilfreich und Kälte eher schädlich, somit sollten sie darauf achten, dass sie ausreichend warm gekleidet sind und Zugluft vermeiden.

Kommen die Schmerzen durch eine Entzündung kann kurzzeitiges Kühlen mit Eis helfen. Wärme wäre in diesem Fall kontraproduktiv.

Was solltest du aktiv machen, um Beschwerden zu vermeiden?

Das wichtigste um Rückenschmerzen vorzubeugen ist Bewegung. Wir Menschen sind nicht zum Sitzen gemacht. Je mehr wir sitzen, desto weniger wird unsere Rumpfmuskulatur trainiert und so kommt es zu Haltungsschäden der Wirbelsäule. Es bedarf grundsätzlich nicht unbedingt eines speziellen Trainings, wichtig ist, dass die Bewegung Spaß macht und man sie regelmäßig durchführt. 30 Minuten am Tag wären optimal. Walking, Schwimmen, Gymnastik, Inlineskaten, Yoga, Kraftübungen im Fitnessstudio sind nur einige von vielen Optionen, um die Rumpfmuskulatur zu trainieren. Natürlich kannst du die Bewegung auch ganz einfach in den Alltag einbauen, zum Beispiel Treppensteigen statt Liftfahren, öfter mal das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren oder während des Telefonierens umhergehen.
Neben der Bewegung können wir aber auch beim Sitzen und Liegen etwas für unseren Rücken tun.

Beim Sitzen sollte ein geeigneter Sessel verwendet werden. Die Füße sollen den Boden berühren und die Knie einen rechten Winkel bilden. Eine gerade Haltung entlastet die Wirbelsäule. Beim Liegen sollte darauf geachtet werden, dass die Wirbelsäule möglichst im Lot liegt. Beim Lattenrost sollte die Federung im Bereich der Schultern und des Beckens verstellbar sein. Die Matratze sollte mittelhart sein und im Bereich des Beckens und der Schultern etwas nachgeben, aber die Taille und die Beine stützen. Das Kissen sollte je nach Schlaftyp ausgewählt werden, je nachdem ob einer Rückenschläfer, Seitenschläfer oder Bauchschläfer ist. Generell gilt aber, dass ein Kissen nicht zu dick sein sollte, da es die Halswirbelsäule streckt.

Sind bereits Beschwerden vorhanden hier ein paar Tipps:

Bewegung – Spazieren gehen, Walking oder Schwimmen sind gute Möglichkeiten um die Verspannungen zu lockern und somit Fehlhaltungen und einer Verschlechterung der Rückenschmerzen entgegenzuwirken. Hier sollte erwähnt werden, dass sich die Beschwerden meist erst nach einer Aufwärmphase bessern und anfangs noch deutlich zu spüren sind.

Alternativ

Wärme – Wärmeflaschen, Kirschkernkissen, Wärmepflaster, ein warmes Bad oder eine Infrarotkabine können gut gegen Rückenschmerzen helfen, da sich die Muskeln entspannen und lockern. Sollten die Schmerzen schlimmer werden, könnte die Ursache für die Beschwerden eine Entzündung oder Nervenreizung sein, dann sollte von Wärmebehandlungen abgesehen werden.

Kälte – auch Kälte kann gut tun. Cool-Packs oder Eisbeutel können auf die betroffene Stelle gelegt werden, allerdings nicht länger als 10 Minuten.

Welche psychologischen Faktoren gibt es, die zu Beschwerden führen können?

Schlafstörungen, Angststörungen und Depressionen aber auch soziale Faktoren, die sich auf unsere Psyche auswirken, wie Stress in der Arbeit oder Stress im familiären Umfeld, können zu Verspannungen der Rückenmuskulatur führen. Durch die Verspannungen wird eine Schonhaltung eingenommen, welche wiederum Muskelgruppen beansprucht die sonst nicht so zum Einsatz kommen. Diese Muskelgruppen werden dann wiederum überbeansprucht und somit breiten sich die Rückenschmerzen aus. Ebenso sind bei psychischen Erkrankungen die Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung gestört und verursachen somit auch ein intensiveres Wahrnehmen der Verspannung und somit der Schmerzen. Durch Verspannungen können Rückenschmerzen in jeder Etage der Wirbelsäule auftreten und Probleme bereiten.

Leider triggern psychische Faktoren auch die Chronifizierung der Rückenschmerzen, da oftmals eine inaktive Haltung gegenüber der Behandlung von Rückenschmerzen entsteht. Deshalb ist es wichtig, hier multimodale Ansätze zu verfolgen gegen die Rückenschmerzen. Einerseits muss die Verspannung behandelt werden, anderseits muss auch an der Ursache, die diese Verspannung verursacht, gearbeitet und der Stress reduziert werden.

Welche Rolle spielen Ernährung und Regeneration (Schlaf, etc.), wie wirken sich diese Faktoren auf die Wirbelsäule aus?

Schlaf wird meistens unterschätzt, spielt aber keine unwesentliche Rolle, wenn es um Rückenschmerzen geht. Zum einen können wir mit ausreichend Schlaf Rückenschmerzen vorbeugen, da wir Stress und somit Verspannungen reduzieren, zum anderen entlasten wir im Liegen unsere Wirbelsäule.

Ist der Schlaf zu kurz oder treten Schlafstörungen auf, treiben wir unser Stresslevel in die Höhe. Ist nichtsdestotrotz eine unpassende Schlafunterlage gegeben, können sich schon vorhandene Verspannungen verschlimmern. Deshalb sollten der Lattenrost, die Matratze und auch die Kissen – im Optimalfall – auf dich individuell abgestimmt sein.

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Zum einen sollte Übergewicht vermieden werden, da dies eine erhöhte Belastung für unsere Wirbelsäule bedeutet und es somit schneller zu Abnützungen und Fehlbelastungen kommen kann. Zum anderen können gewisse Mineralien und Vitamine Muskeln und Gelenke unterstützen.

Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E welche zum Beispiel in Seefisch, Rapsöl, Olivenöl, Haselnüssen und Avocados vorkommen, beugen Entzündungen vor, Vitamin D, welches vor allem durch Sonnenlicht gebildet wird, Vitamin C welches in Zitrusfrüchten, Paprika, Grünkohl und Sanddorn vorkommen und Kalzium welches in Milchprodukten, Spinat, Grünkohl, Fenchel und Sojabohnen zu finden ist, stärken die Knochen und Gelenke und Magnesium hilft gegen Muskelkrämpfe und Verspannungen.